ARTEC Architekten

Raum Zita Kern I Zita Kern, Raasdorf, N.Ö.







Zu- und Umbau zu einem Bauernhof im Marchfeld, Raasdorf/NÖ

Fotos, Copyright: Margherita Spiluttini, Wien

Eine Welt für sich am flachen Land vor Wien.

Weites Land der Grosskulturen und Strassendörfer, die im Nahbereich von Wien vom suburbanen Siedlungsbrei einverleibt worden sind. Irgendwo ein kleiner Wald, darin ein Hof, daran vielfältige, struppige Felder. Zita Kern ist Bäuerin und Literaturwissenschaftlerin. Früchte, Gemüse, Kräuter, Hühner und Katzen ist der eine Teil der eigenwilligen Welt. Bücher sind der andere Teil. Arbeitsräume der Landwirtschaft, für Kochen und Essen und für das Schlafen sind vorhanden. Was fehlt ist ein Baderaum und Raum zum Schreiben und Lesen.

Die alte Gebäudestruktur gibt den Rahmen vor: Der Bereich der alten Kammer mit einer Holzbalkendecke wird zum introvertierten grossen Baderaum, die Entfernung einiger Balken schafft Lichteinfall von oben. Der Kuhstall mit Ziegeltonnendecke wird von Verputz befreit und für die Landwirtschaft belassen, seine Oberfläche überbaut. Das an- und aufgesetzte Bauvolumen gewinnt die Form aus den Randbedingungen: Öffnung zur Terrasse, Zugang und Aufgang ohne Eingriff in die Substanz und Überleitung der Figur zum kleinen Haus des Hühnerstalls.

Das Neue zeigt sich im Hofensemble als unzweideutig neu, der blanke Aluminiumkörper nimmt die Stimmung von Wetter und Umgebung auf. Der Bau wird immateriell, sein Zweck undurchsichtig. Die Innenform des Neuen im Gegensatz zum Alten gleicht eher einem Zelt als einer festen Behausung. Möblierung ist Teil der Wand und zugleich Strukturierungsmöglichkeit des Raumes. Lichteinfall und Öffnungen stehen mit dem Hof nicht in direkter Beziehung. Die Öffnungen sind so gewählt, dass die Auswirkungen der Witterung vom Inneren aus unmittelbar in ihrem teils drastischen Geschehen wahrgenommen werden.

Materialien

Für die Aussenhaut des Gebäudes - dessen Konstruktion raumseitig mit grossformatigen Pappelsperrholzplatten (8 mm) verkleidet ist - wird auf eine vertikale Lattung (Hinterlüftungsbereich) eine Verkleidung aus unbehandelten Aluminiumblechen (2 mm) mit Spenglerschrauben direkt aufgeschraubt.
Das unbehandelte Material nimmt die Tönung des Himmels ideal an, und wird durch Witterungseinflüsse mit der Zeit etwas verändert, ohne durch Korrosion angegriffen zu werden.
Die Plattengrösse ist so gewählt, dass die Montage von zwei Mann durchgeführt werden kann (150 cm Plattenbreite). Die Länge des Standardformats (300 cm) ist ausreichend, um einen Einbau ohne horizontale Plattenfugen zu erzielen.
Alle Aluminiumteile im Aussenbereich (Fassade und Dach: Bleche, Fensterprofile, Trapezblechdeckung, Metallkamin) sind walzblank ohne Oberflächenbehandlung eingebaut.
Im Gegensatz dazu sind die Aluminiumverkleidungen im Inneren (Baderaum) aus Komfortgründen natur eloxiert:
Duschenauskleidung und anschliessende Wandverkleidung und die Wandnischenauskleidung.
Wandbeläge im Baderaum sind neben Aluminium und dem Pappelsperrholz auch ein in die Vertikale gezogener Gummibodenbelag, der im gesamten neuen Raumbereich für den Fussboden verwendet ist.

Die neuen Nutzungen sind teilweise im alten Baukörper untergebracht, zum Teil wird das Gebäude als Sockel für ein neues Objekt verwendet.
Das neue Objekt im ersten Stock, zwar Teil des Hofes, aber doch davon abgesetzt, ist der Arbeitsraum zum Schreiben.
Intellektuelle Ebene und bäuerliche Arbeitswelt sind so auf einfache Weise auseinandergezogen.
Dem Raum vorgelagert sind zwei Terrassen, über Schiebe- und Drehtüren zugänglich, die den Raum ins Freie erweitern: städtisch geprägte Elemente in der ländlichen Umgebung.

Die Treppe hinauf ist als separates Element erkennbar und von aussen vor dem Bestandsgebäude angestellt, sie bringt den neuen Teil zum Boden.


Mitarbeiterin: Maria Kirchweger

Presse

Vom Nutzen der Architekturfotografie. Birkhäuser Verlag, Basel, 2015
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Scenes and Scenarios. Bienal de Canarias, 2009
Architettura Parassita. Strategie di Riciclaggio per la Citta. Sara Marini, Quodlibet, Macerata, 2008
Second Biennial of the Canary Islands. Program, guide and content, 2009
Christian Kühn-Ringstrasse ist überall. Texte über Architektur und Stadt 1992-2007. Springer-Verlag, Wien, 2008
profil, Nr 27, 30. Juni 2008. Patricia Grzonka: „Backstein und Alupilz“
H.O.M.E, März 2008. Wojciech Czaja: „Die nackte Wahrheit“
Parasite Architecture. Recycling strategies for the contemporary city, PhD thesis, Sara Marini, Universita di Camerino, 2007
Stedebouw & Architectuur, Mai 2007, Nr. 4, Nieuwegein/NL. “City on the roof”
ORTE. Architektur in Niederösterreich 1997-2002. W.Zschocke und Marcus Nitschke, Springer Wien NY 2007
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Converted Spaces. Evergreen, Taschen Verlag, Köln
a_schau. Österreichische Architektur im 20. und 21. Jahrhundert. Gabriele Kaiser, Monika Platzer, Az W, Wien 2006
Profil, Nr. 8 / Feb 2006, Wien. Dietmar Steiner: “Die konkrete Chronistin“ Margherita Spiluttini
Rock over Barock. Young and Beautiful: 7 + 2. Springer Wien New York / Aedes, 2006
Profil, Nr. 49 / Dez 2005, Wien. Anne Isopp: “Wohnen im Heustadl”
The Phaidon Atlas of Contemporary World Architecture, Phaidon Press, London, 2004
Frauenarchitektouren. Arbeiten von Architektinnen in Österreich, Verlag Anton Pustet, Salzburg-München, 2004
Maximalist Houses, Encarna Castillo. Loft Publications, H Kliczkowski-Onlybook, S.L., Madrid, 2004
Wohnkonzepte für die Zukunft, Paco Asensio. Callwey Verlag, München, 2003
Minimalismus Minimalisme. Feierabend Verlag, Berlin, 2003. Loft Publications (editor)
Ristrutturazioni. A cura di: Pietro Carlo Pellegrini. Federico Motta Editore, Milano, 2003
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Geschichte der Bildenden Kunst in Österreich, Band 6 / 20. Jahrhundert, Architektur seit 1945 (Maria Welzig), Prestel Verlag, München, 2002
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The Next House, Loft Publications, Barcelona, und HarperCollins, New York, 2002
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Kenchiku Bunka, Tokyo, Vol 53, Nr. 625, 1998
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Die Presse, Spektrum, Wien, 11. 4. 1998. Christian Kühn: "Die Skulptur im Zaubergarten"

Preise

Landeskulturpreis Niederösterreich, Anerkennungspreis (für Raum Zita Kern), 2002
Bauherrn-Preis der Zentralvereinigung der Architekten an Zita Kern, 1999
Aluminium – Architekturpreis für den Raum Zita Kern, 1998
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