ARTEC Architekten

Kunstraum Wien I Dr. Markus Brüderlin, Bundes-Kunstkurator, Wien






Bilder (von links oben nach rechts unten):
1 Der Raum der Austellung
2 Katalog Ausstellung Architekturforum Tirol, 1995
3 Übersicht Fischer-Trakt, ehemalige Hofstallungen (heute MQ) mit rechts "Depot" (Nachfolgeinstallation des Kunstraum-Einbaus) und "MQ-Ticketcenter" (zerstört)
4 "Oh Boy, it's a Girl!" Feminismen in der Kunst, kuratiert von Hedwig Saxenhuber und Astrid Wege
5 Glen Seator
6 Michel Verieux, Rini Tandon, Wiili Kopf
7 Der Raum der Austellung, Videos aus der Museum-In-Progress-Reihe "Künstlerportraits (Peter Kogler)
8 Katalog zur Installation von Michael Asher
9 Der Raum der Austellung
10 Robert Barry / Heinz Gappmayr
12 Publikation zum Kunstraum
12 Carolee Schleeman, Two Installations


Kunstraum Wien, Fischer - Trakt, Museumsquartier in Wien
Enststanden aus der Initiative des Kunstkurtator Dr. Markus Brüderlin, Organisation Dr. Martin Fritz
1994 - 96

Fotos, Copyright: Karl Kraus, Wien


Gedanken zu Entwurf und Betrieb


Ausgangspunkt des Entwurfs war eine Struktur der freien Verfügbarkeit für Arbeiten, Ausstellen,
Vortrag und Diskussion.
Alle nicht nur den einfachen Boden oder die Begrenzungswand bildenden Elemente des Designs sind
als "Gerät" entworfen. Das heisst, Wände können eingeparkt bleiben oder für die Raumbildung in den
beiden Raumfluchten herangezogen werden, Bürotische im fixausgestatteten Bürobereich sind
entlang einer Installationsschiene verfahrbar und die später ergänzte textile Vertikalschicht im Hof
kann als vollständige Raumschicht benutzt oder in unterschiedlichen Teilen oder Ausrollgraden
eingesetzt werden.
Auf eine Durchdringung von vorhandener Bausubstanz und dem Raumeinbau zwecks Erzielung einer
Aussenwirkung wurde zugunsten eines einfachen und undramatischen Einstellens der
Gebrauchsinstallation verzichtet.

A Der räumliche Hintergrund ("white cube")

Innerhalb des "Kunstraum" genannten Ausschnittes der hochplastischen Raumsequenz von Fischer
von Erlach wurde für die den Ausstellungsraum definierenden Elemente (Boden und raumbildende
Wände) ein und dasselbe billige Plattenmaterial verwendet. Dessen unaufdringliche Materialfarbe war
als neutraler Hintergrund für das abwechselnde Geschehen vorgesehen.
Der Fischer - Raum wird weiss gestrichen, schon in Hinblick auf Reflexionswirkung und Lichtausbeute
der Tonne für die indirekte Beleuchtung.
Die sofortige Neufärbung der Wandflächen bereits für die erste Ausstellung und das fast
durchgängige Festhalten daran lässt aber auf eine nach wie vor starke Bindung der zeitgenössischen
Kunst an die Hintergrundfarbe "weiss" als benötigtem Neutralgrund und als Katalysator für die
Wirkung schliessen.
Eine Gleichfärbung des Bodens in der Farbe der Wände (wie an den ersten Benutzer übergeben) ist
später wieder eingesetzt worden.
Die räumliche Wirkung der Stahlträger, deren Unterkante die Lage einer ebenen Decke bezeichnet
und damit einen kubischen Raum denkbar macht, wurde bislang bei keiner Ausstellung in Frage
gestellt. Der Kunstraum als Feld für räumliche Erfahrungen und Konzepte, also als Raumlabor, wurde
nicht genützt, was immer wieder die Frage aufwirft, inwieweit Kunst und Raum, bzw. Kunst und
Architektur verschieden sind.

B Das Raumpotential

Der Gerät - hafte Ansatz der Architektur ist als Aufforderung zur Benützung und Bearbeitung durch
Künstler und Kurator zu verstehen.
Im Zuge der Einrichtung von Ausstellungen ist vor allem das räumlich / strukturelle Bildungspotential
herangezogen worden.
Der Kunstraumeinbau ist im Sinne der Utopien der 60-er Jahre als Maschine gedacht. Durch das
einmalige Anfärbeln einzelner Teile- der Wände- und das dauernde dabei belassen, ging der
experimentelle Charakter jedoch zugunsten eines traditonellen Galerieneindrucks verloren, diese
Qualität ist aber nur ein Teil des möglichen Spektrums.

C Die Fassade

Die doch nicht unbedeutende Ausstrahlung in den Hofraum wird im Laufe der Ausstellungstätigkeit
mit einer neuinstallierten Raumschicht vor der Fassade als unabhängig bespielbarem, flächigem
Gerät ergänzt (als Informationswand bzw. Bild im öffentlichen Raum und gleichzeitig als doch
notwendiger Sonnenschutz).


Wien, im März 1996

Presse

Unsichtbare Architekturen, Gabriele Kaiser, "Kunst auf der Baustelle", Wien 2001
Michael Asher - Kunstraum Wien, Markus Brüderlin, Martin Fritz, Wien 2001
Architektur Aktuell, Wien, Nr. 230/231, 1999. Robert Temel: "Netzknoten, Oberflächen"
Beyond The Minimal, AA, London, 1998. Peter Allison (Kurator)
Herausgeber Kunstraum Wien, Triton Verlag, Wien 1996
Der Standard, Wien, 15. 3. 1997. Thomas Trenkler: "Auflehnen gegen ein Lehen"
taz, die tageszeitung, Berlin, 21. / 22. 12. 1996. Jochen Becker: "Sieg der weissen Zelle"
Der Standard, Wien 5. 11. 1996. Rainer Metzger: "Letzte Amtshandlung. Wunderbare Welt der Schwerkraft: Michael Asher im Kunstraum Wien"
Wettbewerbe, Wien, Nr. 133/134, 1994
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